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Was haben Hure und Nonne gemeinsam? Mea Maxima Culpa von Christa Schyboll

22.08.2016

Im Zuge meiner Ermittlungen nach guter Literatur bin ich auf den Roman "Mea Maxima Culpa" von Christa Schyboll aufmerksam geworden. Der Roman hat mich von Anfang an gefesselt. Deshalb habe ich Christa Schyboll kontaktiert. Natürlich verbunden mit einem Interview und inklusive einer kleinen Videolesung von mir:

 

LB: Liebe Christa, du bist die Autorin des Romans Mea Maxima Culpa – Gottes Magd und Teufels Braut. Mea Maxima Culpa bedeutet: Meine grösste Schuld. Was hat dich dazu inspiriert zu diesem Thema zu schreiben?

 

CS: Als kleines Mädchen war ich fromm, bastelte Marienaltärchen, wollte Nonne, „Braut Christi“, werden. Das Klosterleben übte auf mich eine mystische Faszination aus, die nicht aus der Erziehung heraus erklärbar war. Diese Phase änderte sich mit der ersten Verliebtheit. Nach der Emanzipation vom Kinderglauben waren  die Fragen einer spirituellen Ausrichtung dennoch wichtig. Dazu gehörten Lebenssinn- und tiefe, Werte,  Liebe, Freundschaft, Zweifel, Schuld oder Ängste, um nur einige zu nennen. All das war die Urinspiration für diesen Roman.

 

Zentrales Thema sind die Lebensumstände der beiden Protagonistinnen, die Einfluss auf Charakter, Werdegang und Persönlichkeitsentwicklung nehmen. Gefühle und Verstand, Bewusstsein und radikale innere Auseinandersetzungen um das Wesentliche des Menschen nehmen großen Raum ein und  forderten mir viel an eigener innerer Auseinandersetzung ab. Beispiel die Unantastbarkeit der menschlichen Würde: Hier stelle ich Moral und Scheinmoral, Hure und Ehefrau, Freier, Zuhälter und Rechtsordnung  differenziert in den Mittelpunkt und lasse den Leser über die Feinheiten mit nachsinnen.

 

Ich liebe es, das Wesentliche der menschlichen Intensität nicht nur zu benennen, sondern es so tief wie möglich auch in den Herzverstand des Lesers zu senken. Dazu muss man selbst mit aller Authentizität zu Werke gehen. Dabei sehe ich persönlich das Leben vor allem auch ein Stückweit tragikomisch, weil diese häufig selbst kreierten Dramen unseres Seins oft auch eine witzige oder ironische Seite haben.

LB: Mit deinem Roman sprichst du einige heikle Themen an. Zum Beispiel die Frage der Schuld. Jeder Mensch fühlt sich im Laufe seines Lebens einmal schuldig. Mit diesem Wissen hat die Kirche früher viel Geld gemacht und ihre Macht gegenüber dem Volk demonstriert. Was denkst du über Schuld und Unschuld?

 CS: Schuld und Unschuld sind für mich deshalb relative Begriffe, weil sie mit dem Bewusstseinszustand des Agierenden zu tun haben. Die moralische Schuld ist  von der juristischen zu unterscheiden. Und die Unbewusstheit eines irrenden Menschen von der Bösartigkeit eines voll bewusst Handelnden. Die Fragen der individuellen Motive kommen mit zum Tragen, wie auch die der Prägungen, Abhängigkeiten oder die Frage nach Kollektiv- oder Individualschuld.  

 

Die Kombination von Kirche und Schuld durch ein Dogma sehe ich kritisch, weil hier Geld und Macht unselig verquickt wurden oder teils noch werden. Über diese Schuldfrage habe ich im Roman in den Denkmonologen der Protagonistin vieles genau ausgeführt. Schuld und anerzogene Schuldkomplexe müssen fein unterschieden werden.

 

LB: Auch die Liebe, das wahrscheinlich Schönste im Leben, ist oft mit Schuld verbunden und wird deshalb oft als schwierig empfunden. Wie beschreibst du für dich Liebe?

 

CS:  Die Liebe ist das Grösste, Schönste und Schwerste zwischen den Menschen. Wir Menschen können in aller Regel noch nicht bedingungslos lieben, sondern verknüpfen unsere Vorstellung von Liebe ständig mit Egoismen, die sich in Form von Erwartungen, Wünschen, Hoffnungen an den Partner zeigt. Erfüllen wir diese Erwartungen nicht, ist es schnell wieder aus mit der Liebe, die noch keine echte war. Sie war eine Vorform, eine blinde Verliebtheit, die von der wahren klarsichtigen Liebe zu unterscheiden ist.

 

Erst wenn wir die Grenzen des  anderen erreicht haben und wir die Probleme gemeinsam meistern und all das Unvollkommene am anderen liebevoll annehmen, wächst doch erst die Liebe und wird wirklich reif. Diese Chance aber geben sich die meisten Paare leider nicht, weil sie bei Krisen viel zu früh auseinandergehen. Auch dazu habe ich viele Gedanken im Roman ausgeführt.

 

 

LB: Warum denkst du, fällt es uns oft viel schwerer einen Menschen wirklich zu lieben, als ihn zu hassen?

 

CS: Weil die Liebe tausendmal schwieriger ist als der Hass. Hass kann man leicht  im anderen erzeugen. Man muss nur seine Schwächen kennen und selbst herzlos und gemein sein. Aber ihn zu lieben oder selbst „liebenswert“ zu sein, ist zunächst harte Lebensarbeit an sich selbst – bevor die Liebe irgendwann überhaupt keine Mühe mehr macht und einfach nur: ist!

 

LB: Für uns alle ist klar, dass irgendwann das Leben hier auf der Erde zu Ende sein wird. Was denkst du, passiert mit uns nach dem Tod?

 

CS: Physisch ist das eine klare Sache: Die Leiche zerfällt, wenn sie nicht schon vorher verbrannt wurde! Der menschliche Geist o. Bewusstsein ist für mich nicht identisch mit dem Hirn. Das Hirn ist nur ein Organ, durch das sich der Geist in unserer menschlichen Dimension zeigen kann, und das dann in der Regel über das Sinnliche. Es ist doch auch logisch: Wissenschaftlich kann man doch das Größere (Geist/Bewusstsein) nicht durch das Kleinere (physisches Hirn, Körper) einfach ableiten. Es wäre absurd, weil es doch nur allein anthropomorphisch argumentiert. Eine naive Sichtweise, die nur von Enge und Phantasielosigkeit zeugt. Geist braucht nicht zwangsläufig einen menschlichen Körper um zu wirken. Er braucht aber auch keinen „Himmel“ im Sinne kindlicher Vorstellungen. Eine ganz andere und wichtige Frage ist da eher: Wie viel Kapazität des Hirns nutzen wir denn heute schon in Bezug auf Geist und Bewusstsein. Schaue ich mir den skandalösen Umfang der menschlichen Idiotie an, die sich in allem möglichen zeigt, können wir ermessen, wie embryonal wir erst entwickelt sind und noch hilflos mit dieser Ressource hantieren. Was da in uns brach liegt, ist enorm … aber das muss es ja nicht bleiben.

 

LB: Wenn du Gott eine Frage stellen könntest, welche wäre es?

 

CS:  „Was hast Du Dir eigentlich dabei gedacht, uns Menschen mit so unglaublich wenig Humor zu begaben und uns alternativ dafür ein dickes Maß von viel zu viel persönlicher Wichtigtuerei, Aufgeblasenheit und Großspurigkeit in dein Schöpfungsrezept beizumischen?  Sei ehrlich, warst du sehr müde, hast du etwas getrunken?“ …  Ja, das soll er gern beantworten!

 

LB: Auf deiner Webseite stellst du das Schreiben mit dem Atmen gleich. Heisst das, dass du in deinen Romanen auch persönliche Themen verarbeitest?

 

CS:  Alles was in meinen Büchern ernst und humorvoll ist, was skurril, verrückt, entgrenzt, tief, unnötig, bizarr, spinnert, spleenig, feierlich oder heiter ist, kommt aus meinem inneren Stimmungsbild. Das ist aber nicht mit biografischen Fakten zu verwechseln, sondern es sind  authentische Momente beim Einfühlen in die von mir zu schaffenden Charaktere. Ich werde kurzzeitig zu meinen Figuren, verlasse sie wieder, stülpe sie um, erschaffe sie neu… und damit auch mich selbst und ich weite dabei meine inneren Erfahrungen. Es sind Facetten von Möglichkeiten, die in der nächsten Minute schon wieder anders schillern können.

 

LB: Was fasziniert dich an der Schreiberei ganz besonders?

 

CS: Die Zeitlosigkeit und der Schöpfungsvorgang. Beim Schreiben vergesse ich meine Umgebung, auch mich selbst mit meinen natürlichen Bedürfnissen. Das Wesentliche ist  die Vielfalt  der Ausdrucksmöglichkeit. Ich kann nach Belieben Welten und Wesen erfinden und kann sie leben und sterben lassen.  Nicht selten spielen sie auch mit mir, fordern etwas von mir ab, haben Wünsche und Ansprüche. Sie wollen so lebendig herüberkommen, als seien sie nicht nur Statisten in meinem Roman.

 

LB: Hast du ein besonderes Ritual während du einen Roman schreibst? Oder setzt du dich einfach an deinen Computer und tippst darauf los?

 

CS: Ich tippe drauf los. Es lungern ja Unmengen von Texten und Möglichkeiten in meinem Kopf. Gedanken raunen mir zu, Sätze schnauzen mich manchmal an, weil sie endlich auch einmal Beachtung finden wollen. Ein Glück, dass ich sie nicht alle auf einmal kennenlernen will. Ich muss mich vor den Massen schützen und kann das mittlerweile auch immer besser. Allerdings brauchen meine Bücher nach der Lawine der Gedankenflutungen dann eine ordentliche Bearbeitung, die zäh und langwierig sein kann, weil ja zwischenzeitlich wieder viele neue Zusatzgedanken im Kopf Schlange stehen und maulen, dass sie auch mal drankommen wollen.

 

LB: Wow, das ist ja unglaublich spannend, was da bei dir abgeht. Nun, ich weiss auch, dass du Ghostwriting betreibst. Welchen Reiz übt es auf dich aus, die Gedanken und Gefühle eines anderen Menschen zu Papier zu bringen?

 

CS: Das habe ich als Angebot erst vor kurzem in meine Homepage aufgenommen und noch nicht realisiert. Aber es kann – je nach Mensch und Anliegen – herausfordernd sein, mich von mir selbst und meinen eigenen Gedanken völlig lösen zu müssen. Ich sehe es als weitere  neue Disziplin an, an der auch ich selbst viel lernen kann. Ich nehme nur solche Aufträge an, wo ich ein feines Band zum Thema und zum Auftraggeber Thema spüre.

 

LB: Worüber würdest du gerne einmal schreiben?

 

CS: Zentral ist und bleibt für mich der Mensch mit seinem unbändigen Geist, seiner Seele, seinen Spleens, Verrücktheiten und Kreationen des Individuellen. Die Spezies Mensch ist meine finale Herausforderung.

 

LB: Was ist aktuell dein grösster Wunsch? (Privat und/oder beruflich)

 

CS: privat: Das Wohlergehen meiner Lieben. Mögen sie weiter die Risiken des Lebens meistern, sich daran entwickeln und starke Persönlichkeiten werden. Für mich selbst: Es wäre schön, bis zu meinem Tod geistig konzentriert noch viel arbeiten zu können. Mein Tod darf gern, zack!, auf meiner Tastatur enden. Das wäre adäquat!

 

Beruflich:  Gern das Bekanntwerden dieses Interviews und vielleicht auch ein paar Leser, die Lust auf meinen skurrilen Humor, meine Tiefe und meinen manchmal verspielten Ernst  haben.

 

LB: Liebe Christa, vielen lieben Dank für dein sehr interessantes Interview. Es hat mir äusserst gut gefallen, mit dir über die grossen Themen des Lebens zu philosophieren. Dein Buch werde ich richtiggehend verschlingen. Danke für deine Offenheit und dein Vertrauen und ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

 

Lady Laura Bünd


Die Webseite von Christa Schyboll findet ihr hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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